Forschung
Rezolute: RZ358/ Ersodetug Phase III Studie
RZ358 oder Ersodetug ist ein Insulin-Rezeptorblocker. Es wird erwartet, dass der Wirkstoff bei allen Hyperinsulinismus-Formen wirkt und ist kombinierbar mit anderen Therapieformen. Das Eiweißmolekül muss gespritzt werden (aktuell ausschließlich in Vene möglich).
Ersodetug wird von Rezolute klinisch geprüft. Die Phase-3-Studie „sunRIZE“ bei kongenitalem Hyperinsulinismus verfehlte im Herbst 2025 zwar ihr primäres Studienziel (Reduktion von Hypoglykämie-Ereignissen), Rezolute führt dies jedoch auf Verzerrungen durch die unverblindete Selbstmessung des Blutzuckers zurück. Nach einem Treffen mit der US-Zulassungsbehörde FDA im März 2026 zeigte sich Rezolute zuversichtlich: Die FDA erkannte die genannten Einschränkungen der Studie an und bat um weitere Datenanalysen, um zu prüfen, ob die Grundlage für einen Zulassungsantrag ausreicht. Ob eine weitere randomisierte Studie nötig wird, ist noch offen. Weitere Informationen findet ihr auf der Rezolute Homepage.
Bildgebende Untersuchungsverfahren und Behandlung von kongenitalem Hyperinsulinismus: Das BetaCure Projekt
BetaCure ist ein groß angelegtes Forschungsprojekt mit dem Ziel, neuartige Technologien zur Darstellung und Behandlung von Krankheiten wie kongenitalen Hyperinsulinismus und hyperinsulinämischer Hypoglykämie bei Erwachsenen zu entwickeln.
Das Projekt BetaCure, an dem 17 verschiedene Partner aus Industrie und Wissenschaft teilnehmen, wird von der Europäischen Union gefördert. Die Projektpartner kombinieren ihre Expertise und das notwendige Wissen mit dem Ziel, Behandlungsmethoden für diese seltenen Krankheiten zu finden.
Das Forschungsprojekt hat ein Molekül im Fokus: Exendin. Es wurde erstmals im Speichel der nordamerikanischen Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) gefunden und ähnelt in der Struktur dem menschlichen Hormon Glucagon-like Peptid e1 (GLP-1). Dieses Dünndarmhormon, das nach einer Mahlzeit freigesetzt wird, stimuliert in den β-Zellen der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin. Diese Eigenschaft von Exendin ist sehr interessant, da die β-Zellen die Überproduktion von Insulin bei kongenitalem Hyperinsulinismus verursachen und somit nicht funktionieren, wie sie sollten. Dies kann zu lebensbedrohlich geringen Blutglukosespiegeln führen.
Mehr Informationen findest du in diesem Artikel.
Lightcure: Forschung zu photodynamischer Therapie von HI
Ein europäisches Forschungskonsortium arbeitet an einer neuen, zielgerichteten Therapie für kongenitalen Hyperinsulinismus (HI). Das Projekt LightCure setzt auf Licht, um fehlfunktionierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse gezielt auszuschalten.
LightCure entwickelt eine minimal-invasive photodynamische Therapie: Ein Polypeptid namens EX dockt gezielt an die überaktiven insulinproduzierenden Zellen an, die bei HI für die Überproduktion von Insulin verantwortlich sind. Gekoppelt mit dem lichtempfindlichen Wirkstoff 700DX entsteht EX700DX. Wird dieser mit Licht einer bestimmten Wellenlänge aktiviert, entstehen reaktive Sauerstoffverbindungen, die gezielt die erkrankten Zellen schädigen oder zerstören sollen, ohne umliegendes Gewebe zu beeinträchtigen. Durch dieses Zusammenspiel aus gezieltem Andocken und gezielter Lichtaktivierung soll der Blutzuckerspiegel normalisiert werden.
Das wäre ein bedeutender Unterschied zu heutigen Behandlungen: Aktuell wird oft ein Teil der Bauchspeicheldrüse operativ entfernt, was häufig zu Diabetes und Verdauungsproblemen führt.
LightCure befindet sich noch in der präklinischen Phase. Erste Tests waren laut Konsortium vielversprechend. Ziel ist eine Anwendung am Menschen bis Ende des Jahrzehnts, möglichst bald nach der Geburt. Gefördert wird das Projekt mit gut 8,2 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon Europe. Elf Partner sind beteiligt, die Leitung liegt beim Radboud University Medical Center (Niederlande). Aus Deutschland sind die Charité Berlin und die HAW Hamburg dabei.
Mehr Informationen findest du auf der LightCure Website.
Aktuell führt LightCure eine Studie zur Lebensqualität mit HI durch.
Weitere Informationen hierzu und Möglichkeiten der Teilnahme bei:
Prof. Dr. Julia Quitmann und Dr. Stefanie Witt (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales | Department Soziale Arbeit)
Julia.Quitmann@haw-hamburg.de, Tel. +49 40 42875 7217
