PET-MRT - Kongenitaler Hyperinsulinismus e.V.

PET-MRT

PET = Positronen-Emissions-Tomographie
MRT = Magnetresonanztomographie

Die PET-MRT (Positronen-Emissions-Tomographie – Magnetresonanztomographie) z.B. mit dem  Exendin-Tracer ist ein zuverlässiges Verfahren, um die entscheidende Frage zu beantworten: Handelt es sich um die fokale Form (fCHI), bei der nur ein kleiner Herd Insulin überproduziert oder um eine nicht-fokale Form, die meist die gesamte Bauchspeicheldrüse betrifft?

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie die Grundlage für die weitere Therapie und insbesondere für die Frage nach einer Operation ist.

Die Technologie: Was bedeuten PET, CT und MRT?

Die PET-MRT kombiniert die Vorteile zweier Bildgebungstechniken. Um den Unterschied zwischen fokal und nicht-fokal festzustellen, werden zwei Arten von Informationen benötigt: Funktion (was passiert in den Zellen?) und Anatomie (wo genau liegt es?).

AbkürzungVoller NameWas wird gemessen?
PETPositronen-Emissions-TomographieFür die PET Bildgebung wird ein radioaktives Molekül genutzt, das spezifisch im betroffenen Gewebe/den betroffenen Zellen anreichert. Die Strahlung dieses Moleküls wird anschließend gemessen.
MRTMagnetresonanztomographieDie Anatomie: Sie erstellt mithilfe starker Magnetfelder und Radiowellen hochauflösende Schnittbilder von Organen und Geweben (z.B. der Bauchspeicheldrüse) mit hervorragendem Weichteilkontrast.
CTComputertomographieDie Anatomie: Sie erstellt mithilfe von Röntgenstrahlen Bilder, die sich besonders gut zur Darstellung von Knochen oder zur allgemeinen anatomischen Orientierung eignen.



Das Wirkprinzip des 68Ga-Exendin-Tracers

Die fokalen Läsionen in der Bauchspeicheldrüse haben eine hohe Dichte an insulinproduzierenden Zellen (Beta-Zellen). Diese Zellen habe verschiedene Rezeptoren auf ihrer Oberfläche, unter anderem den sogenannten GLP-1-Rezeptor.



PET-CT vs. PET-MRT: Die Wahl der Technik

Der internationale Standard in der Bildgebung bei einem Verdacht auf fokalen CHI ist das 18F-DOPA-PET/CT. In der Vergangenheit konnte gezeigt werden, dass das 68Ga-Exendin-PET/MRT ein mindestens gleichwertiges Bildgebungsverfahren ist. An der Charité in Berlin wird dieser Tracer standardmäßig in der Bildgebung verwendet, da der Tracer im Falle einer fokalen Form auch für die OP verwendet wird.

MerkmalPET-CT (mit 18F-DOPA Tracer)PET-MRT (mit 68Ga-Exendin Tracer)
Anatomie-BildGute Orientierung, geringerer WeichteilkontrastHervorragender Weichteilkontrast (ideal für Bauchspeicheldrüse)
StrahlenbelastungHöher (durch die CT-Komponente)Geringer
Dauerca. 1 Stunde (in Narkose)ca. 1,5 Stunden (in Narkose)
Beschaffung des TracersExterne Beschaffung, Produktion aufwändig, längere Lieferzeiten68Ga-Exendin kann vor Ort (in der hauseigenen Radiochemie) produziert werden
scan 18F-Dopa und Ga68 Exendin

Beispielbilder von einem Patienten mit fokalem CHI. Oben mit 18-F-DOPA und unten mit 68Ga-Exendin. Auf beiden Bildern ist der Fokus klar zu erkennen.



Der Ablauf der PET-MRT-Untersuchung

Die Untersuchung wird bei Säuglingen und Kleinkindern in der Regel in Narkose durchgeführt und dauert insgesamt etwa 1,5 Stunden. Folgender Ablauf dient zur Orientierung und entspricht dem Vorgehen in der Charité Berlin.

Vorbereitung (1–2 Tage vorher)

Untersuchungstag

  1. Eintreffen & Vorbereitung: Ankunft in der PET/MRT-Abteilung und ggf. Einleitung der Narkose durch das Anästhesie-Team.
  2. Applikation: Injektion des 68Ga-Exendin-Tracers sowie, im Verlauf der Untersuchung, des MRT-Kontrastmittels.
  3. Bildgebung: Die reine Untersuchungszeit im Scanner beträgt etwa 50–60 Minuten. Es werden spezielle MRT-Aufnahmen (z.B. Twist-Dynamik) durchgeführt, die den Fokus und die umliegenden Gefäße möglichst genau darstellen.
  4. cMRT (Zusatz): Im Anschluss wird ein kurzes, aussagekräftiges cMRT (Gehirn-MRT, ca. +10 Minuten) angefertigt, um mögliche Folgen der schweren Unterzuckerungen für das Gehirn in der gleichen Narkose mitzubeurteilen.

Auswertung (am Untersuchungstag)

Quellen:

Boss M, Rottenburger C, Brenner W, Blankenstein O, Prasad V, Prasad S, Coppi P, Kühnen P, Buitinga M, Nuutila P, Otonkoski T, Hussain K, Brom M, Eek A, Bomanji J, Shah P, Gotthardt M. 68Ga-NODAGA-Exendin-4 PET/CT Improves the Detection of Focal Congenital Hyperinsulinism. J Nucl Med. 2022 Feb;63(2):310-315. doi: 10.2967/jnumed.121.262327. Epub 2021 Jul 2. PMID: 34215672; PMCID: PMC8805776.

Kühnen, P., Prasad, S., Rothe, K. et al. [68Ga] labelled Exendin for radioguided surgery of intrapancreatic insulin producing lesions in patients with congenital hyperinsulinism. EJNMMI Res 15, 107 (2025). https://doi.org/10.1186/s13550-025-01294-8